Ringvorlesung Bioökonomie - Kleider aus Milch und Reifen aus Löwenzahn

Ressourcenknappheit, Klimawandel, Welthunger: Die möglichen Katastrophenszenarien des 21. Jahrhunderts lassen sich nur durch ein radikales Umdenken eindämmen. Chancen und Lösungsansätze bietet die Theorie einer biobasierte Wirtschaft. Zum Teil ist die sogenannte Bioökonomie mit ihren Naturmaterialien bereits in unserem Alltag angekommen und doch birgt sie ein noch viel größeres Potenzial. Im Sommersemester 2014 widmet sich eine ganze Vorlesungsreihe an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg dem zukunftsträchtigen Wirtschaften. Die Ringvorlesung Bioökonomie wird vom WissenschaftsCampus Halle – Pflanzenbasierte Bioökonomie (WCH) veranstaltet.


In Gärten wächst er fast ausschließlich als unliebsames Unkraut: der Löwenzahn. Während er dort schnellstmöglich gejätet wird, hält er dagegen seit ein paar Jahren in der Forschung wegen seines Milchsaftes verstärkt Einzug. Da die Weltmarktpreise des bisher gebräuchlichen Naturkautschuks des Kautschukbaumes stark schwanken und viele Kautschukbaumplantagen unter Pilzbefall leiden, könnte der Russische Löwenzahn möglicherweise als günstigere Naturgummi-Alternative genutzt werden. Untersuchungen müssen nun zeigen, ob durch das Löwenzahn-Gummi sogar vollständig auf synthetischen Kautschuk, der auf Basis von Erdöl produziert wird, verzichtet werden kann.

In der Produktion von Fasern hat sich ebenfalls eine neue, natürliche Alternative zu Chemiefasern aufgetan. Der in Deutschland zurzeit herrschende Überfluss an Milch kann für die Gewinnung von Kasein genutzt werden. Kasein ist ein Bestandteil und Nebenprodukt von Milch, aus dem normalerweise Käse hergestellt wird. Durch neue biotechnologische und umweltschonende Produktionsverfahren können daraus auch Biofasern für Kleidung gewonnen werden. Positiver Nebeneffekt der Kleidung aus dem antibakteriellen und antiallergischen Milchstoff ist eine pflegende Wirkung für die Haut.

Allein diese Beispiele aus der Bioökonomie verdeutlichen, dass durch die Nutzung pflanzlicher Rohstoffe völlig neue Verfahren und Produkte gewonnen werden können, die gesünder und klimaschonender sind. Dabei ist allgemein anerkannt, dass Biomasse in erster Linie der Ernährung von Mensch und Tier dienen soll und erst dann folgt die Nutzung als industrieller Rohstoff oder der Einsatz zur Energiegewinnung, um einer Teller-oder-Tank-Debatte vorzubeugen. Die Reihenfolge der sogenannten ‚vier Fs' der Bioökonomie (Food, Feed, Fibre and Fuel) ist somit entscheidend.

Wie ist derzeit die Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in Deutschland, Europa und der Welt? Welche großen Veränderungen und Herausforderungen stehen der Landwirtschaft bevor? Und wie kann eine nachhaltige Bereitstellung und Nutzung von Biomasse gewährleistet werden? In der Ringvorlesung Bioökonomie des WCH werden renommierte Vertreter dieses wachsenden Forschungs- und Entwicklungsfeldes u.a. diese Fragen beantworten und diskutieren. Am 15. April findet um 18 Uhr im Julius-Kühn-Hörsaal auf dem Campus Heide-Süd die erste Veranstaltung zur Bioökonomie statt.

 

Termine in der Übersicht:

jeweils 18-20 Uhr; Julius-Kühn-Hörsaal E.01, Theodor-Lieser-Str. 9 (Campus Heide-Süd)

 

  • 15. 04.2014 Kleider aus Milch und Reifen aus Löwenzahn – was uns die Bioökonomie bringt; Dr. Patrick Dieckhoff (Leiter der Geschäftsstelle des Bioökonomierats)
  • 29.04.2014 Rohstoffe vom Acker, aus dem Wald und im Abfallbehälter – Entwicklung, Stand und Perspektiven; Dr. Dietmar Peters (Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR))
  • 13. 05.2014 Bioökonomik: Nutzen und Grenzen des Theorieaustauschs zwischen Biologie und Ökonomik; Prof. em. Dr. Ulrich Witt (Max-Planck- Institut für Ökonomik, Jena / Editor "Journal of Bioeconomics")
  • 27. 05.2014 Bioeconomy Science Center – Perspektiven, Integration, Optionen und Lösungen für eine effiziente und nachhaltige Bioökonomie; Prof. Dr. Ulrich Schurr (Forschungszentrum Jülich und Leiter des Bioeconomy Science Centers (BioSC))
  • 10. 06.2014 Green Pharma – ökoeffiziente Arzneistoffproduktion mit Pflanzen und Mikroorganismen; Prof. Dr. Oliver Kayser (Universität Dortmund)
  • 24. 06.2014 Mit Bioökonomie die Zukunft gestalten – Rohstoffe, Prozesse und Produkte; Gerd Unkelbach (Fraunhofer-Zentrum für Chemisch Biotechnologische Prozesse (CBP)
  • 08. 07.2014 Auf dem Weg in die nachhaltige Bioökonomie – Navigationssysteme und Stolpersteine; Prof. Dr. Daniela Thrän (Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ), Mitglied im Bioökonomierat)

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